Nischenseiten – tot geglaubte leben länger

In meinem Umfeld höre ich des öfteren, dass Nischenseiten spätestens seit der Abmahnwelle bei Fake-Test-Websites tot seien. Doch ist das wirklich so?

Abmahnwelle bei Fake-Test-Seiten – der Tod der Nischenseiten?

Wer in der Branche wenigstens halbwegs aktiv ist und die News mitbekommt, dürfte von der Abmahnwelle bei Fake-Testseiten gelesen haben. Ich will hier gar nicht auf die Thematik von Fake-Tests oder dem Sinngehalt der Abmahnungen eingehen, das haben andere schon zur Genüge getan.

Aber aufgrund dieser Abmahnungen sehen viele Menschen das Ende der Nischenseiten kommen – zu Unrecht, wie ich finde.

Nischenseiten !== Fake-Test-Seiten

Nischenseiten sind nicht unbedingt mit Fake-Test-Seiten gleich zu setzen. Während ich zustimme, dass viele Menschen – gerade wegen einiger „Schnell-und-hektisch-reich-werden“-Anleitungen und -kurse im Internet – Nischenseiten nur aus diesem einen Grund aufbauen (Made for Amazon), sind doch andere mit sehr profesionellen, mit großer Hingabe erstellten und betriebenen Websites in ihrer Nische aktiv.

Wer also geglaubt hat, mit einer Aggregation von Amazon-Kundenbewertungen auf der 500sten „Küchenshredder-Test“- Website und Amazon Affiliate-Links reich zu werden, hat – um es mit Atze Schröders Worten zu sagen – „trocken auf Kies gefurzt“.

Schnell und hektisch reich werden – der Traum vieler Website- Betreiber. Und doch klappt das nur in den seltensten Fällen. Meist profitieren davon nur die Anbieter der, sagen wir mal manchmal, nicht ganz so seriösen „Wie werde ich mit Amazon Affiliate reich?“- Kurse. Die unbedarften Menschen, die darauf hereinfallen, legen teils hunderte von (teils von ihren Eltern) hart erarbeiteten Euros auf den virtuellen Tisch, nur um dann am Ende eine kostenpflichtige Abmahnung zugestellt zu bekommen.

Ist die Zeit der Fake-Test-Seiten vorbei?

Ich denke, dass zumindest die Zeit der kleinen Fake-Test-Seiten vorbei sein dürfte. Die großen Portale, die zwar mit Tests (oder jetzt mit „Vergleich“) werben, werden sich wohl weiterhin halten und die kleinen Krauter, wenn sich denn noch welche auf den Markt trauen, direkt mit Abmahnungen kaputt machen.

Trauere ich den Fake-Sites nach? Nein, definitiv nicht. Denn das Modell baut, entschuldige die Wortwahl, auf Beschiss am Besucher. Produkte wurden nie getestet, nie objektiv betrachtet und nie auch nur in die Hand genommen. Einzig die Amazon Provision war ausschlaggebend für die Positionierung der Produkte in der Vergleichstabelle. Ich bin froh, dass der Mist ein Ende nimmt.

Wie geht’s denn mit Nischenseiten weiter?

Gerade jetzt – finde ich – haben echte Nischenseiten wieder eine Chance. Wer sagt denn, dass man nur mit Testseiten etwas Geld verdienen kann?

Jetzt ist die Zeit gekommen, dass Nischenseitenbetreiber endlich wieder echten Content liefern müssen. Recherchierten Content, der dem User wirklich hilft, der seine Fragen beantwortet.

Es gibt bereits viele sehr gute Nischenseiten. Der Fahrrad-Blog von Soeren Eisenschmidt zum Beispiel (der auch einen Nischenseiten-Ratgeber herausgebracht hat, den ich hier gerne empfehle. Google mal danach). Der Fahrradblog ist professionell aufgezogen, macht richtig Arbeit, und es steckt augenscheinlich viel Herzblut in dem Projekt. Und doch ist es (im weitesten Sinne) eine Nischenseite, denn hier wird die große Nische „Radfahren“ angesprochen.

Ein anderes Beispiel ist papa.de. Vormals Papa.online, hat Michael Schöttler vor kurzem die Domain papa.de gekauft.

Ja, in dem Projekt steckt (für eine Nischenseite) sehr viel Kapital. Und doch bedient sie eine Nische. Nämlich die Papas. Hier muss Michael mit gutem Inhalt punkten und auf die Fragen und Bedürfnisse der Papas eingehen – die übrigens deutlich von denen der Mamas abweichen. Das sage ich als Papa. 🙂

Also, was muss ich tun?

Arbeiten.

Gib Dir Mühe. Recherchiere. Biete Deinen Besuchern etwas, das sie gerne konsumieren und mit ihren Freunden und Kollegen teilen.

Und nur dann, wenn Du vernünftigen, mit Liebe und Wissen erstellten Inhalt bietest, kommen die User. Und dann kann man auch mit echter Arbeit im Internet Geld verdienen. Sei es durch Amazon Affiliate, Google Adsense oder Direktvermarktung von Werbeplätzen.

Ich freue mich darauf, in Zukunft wieder mehr Nischenseiten zu sehen, die mit Wissen glänzen und aus der Menge hervorstechen, statt zum 50. Mal eine in 20 Minuten hochgezogene „Waschmaschinen-Vergleich“-Affiliate-Theme-Wordpress-Installation in’s Web zu schmeißen.

Also: Macht was, und macht es gut.

Ich freu mich drauf.

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